Provokative Frage? Aber gar nicht so weit hergeholt. Ich habe es schon ein paar mal erlebt, dass Leute sich so über das Falllaub geärgert haben, dass der Baum anschließend gefällt wurde. In der Gemeinde Biebertal gibt es keine Baumschutzsatzung, die das erschwert. *1)
Warum kürzlich in Vetzberg gesunde Bäume auf dem Burggelände gefällt wurden, ist wohl ein Geheimnis der Gemeinde. In Gießen werden auch gerade wieder viele Bäume gefällt, aber wie das Umweltamt sagt, nur die, bei denen es wegen der „Verkehrssicherungspflicht“*2) unbedingt erforderlich ist. Der sehr trockene Sommer hat dazu beigetragen, dass viele Bäume abgestorben sind und die Gefahr für Astbruch erheblich erhöht wurde.
Es ist oft nicht sinnvoll, die Fällarbeiten alleine durchzuführen. Wir haben im Ort durchaus Betriebe mit kompetenten Mitarbeitern, die das Umhauen des Baumes als letzte Lösung ansehen und vorher mit Ihnen überlegen, welche anderen Maßnehmen ergriffen werden können, falls ein Baum stört. Laubfall gehört definitiv nicht zu den Störungen, sondern ist ein natürlicher Vorgang, rechtlich „eine natürliche Immission“ nach § 906 BGB. Faustregel: Wer in einem grünen Wohnumfeld lebt, muss mit den Begleiterscheinungen der Natur rechnen. *3)
Oft entsteht der Ärger, weil die Bäume zu nah an die Grenze gepflanzt wurden. Dafür hat jedes Bundesland eigene Vorschriften. *4) Für die Arten, die üblicherweise in Gärten gepflanzt werden, gilt meist ein Abstand von 2m. Wer den Baum lange in seiner natürlichen Form haben möchte, ist damit schleht beraten; größere Abstände sind sinnvoll. Stark wachsende Allee- und Parkbäume sollte man sich bei den immer kleiner werdenden Grundstücken gut überlegen. Von Walnussbäumen rate ich in so einem Fall dringend ab. Sie können 15m Durchmesser erreichen, auch die veredelten Sorten. Wie schön ist ein Baum, der in seiner natürlichen Form wachsen darf! Welch armselige Gestalten sind die Bäume, die später immer wieder zurück geschnitten werden.
Dabei verlieren die Bäume einen großen Teil ihrer natürlichen Elastizität und Stabilität – genau wie wir Menschen nach Operationen.
Wie wärs denn damit? Laubkehren statt Fitnessstudio! Und der Duft! Feuchtes Laub, erdige Noten, frische Luft: Im Herbst riecht es draußen plötzlich ganz anders. Der typische Herbstgeruch kann Erinnerungen an Spaziergänge, die Kindheit oder vertraute Orte hervorrufen. Und wenn Sie Ihren Kindern oder Enkeln eine besondere Freude machen wollen, dann kehren sie die Laubhaufen auf einen weichen Untergrund und springen selber hinein. Die Kinder machen es sofort nach. Oder Sie bewefen sich gegenseitig mit Laub. Das verlängert zwar die „Reinigungsmaßnahme“, der Spaß dabei hält aber für lange Zeit vor.
Wir haben in diesem Herbst erstmals eine Igelburg gebaut. Gemeinsames Bauen macht allen in jedem Alter Freude.