Ich erinnere mich an einen Schneemann, den meine Mutter für mich gebaut hatte, da war ich vier. Das Foto, wo ich selbst von meiner geliebten Herta gezogen wurde, entstand im Winter, bevor ich in die Schule kam. Es war in der Wesermarsch, wo gerade Tief Elli wütete. Daneben ein Foto aus Brandenburg mit Hund: Kontinentalklima. Und eins mit meiner Tochter vom Fastnachtsdienstag 1985. In der Nacht waren es -22°C gewesen – in Offenbach am Main. Unsere Tochter ist nicht erfroren.



Davor gab es einige Wintererlebnisse. Eine Rodelbahn, auf der ich als Achtjährige abgefahren bin, habe ich als Erwachsene nochmal gesehen, da wurde mir nachträglich Angst und Bange. Wir haben bei Tauwetter Eisschollen-Rudern gemacht. Mit einer Freundin habe ich versucht, im November in einer Zinkwanne über einen Teich zu paddeln. Zum Glück kenterte unser „Boot“ immer schon, bevor wir eingestiegen waren. Schlittschuhlaufen konnte ich nie. Stattdessen versuchte ich mit Rollschuhen – das konnte ich gut – auf dem Eis zu laufen. Als ich 10 war und südlich von Hamburg lebte, führte mein Schulweg über hoch gelegene Felder. Kaum hatte ich auf dem Heimweg die letzten Häuser hinter mir, stürzte ich mich voller Wonne in die Schneewehen. Mir ist dabei als Kind nie etwas passiert. Die ersten Blessuren bekam ich mit über 50 und gerade kürzlich, weil ich auf dem vereisten Weg ausgerutscht bin. Deshalb übe ich jetzt den Pinguin-Gang. Aber ich kann immer noch recht gut fallen. Gelernt ist gelernt.
Die Nachrichten in allen Medien, die aus -2°C einen Polarwinter und aus 10km Windgeschwindigkeit einen Tornado machen, führen dazu, dass ängstliche Menschen noch mehr Angst bekommen. Und ängstliche Eltern ihre Kinder vor allem schützen wollen, auch vor dem Spaß, den sie im Schnee haben können.

Alle Erhebungen z.B. der Berufsgenossenschaften weisen darauf hin, dass die meisten Unfälle den Menschen passieren, die zu wenig Bewegung haben. Als ich in einem Frankfurter Berufsbildungszentrum für Arbeitssicherheit zuständig war, hatten wir die meisten Arbeitsunfälle nicht in der Metall- oder Holzwerkstatt, sondern bei angehenden Bürokaufleuten, die sich beim Einsteigen in die Straßenbahn verletzten.
Ich habe mir immer vorgestellt, wie meine Tochter in einem Zirkus aufwachsen würde. Also habe ich ihrem Bewegungsdrang nachgegeben und nur dafür gesorgt, dass Unfälle durch entsprechende Vorbeugung verhindert werden.
Fotos Familie, Ev. Renell

