Wald – gestern, heute, morgen

12. Mai – 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Vetzberg

Als Referentinen waren Frau Rita Kotschenreuther (li), Funktionsbeschäftigte Waldpädagogik bei HessenForst, Forstamt Wettenberg und im Holz-und Technik-Museum Wettenberg und Frau Ulrike Henrich(re), Revierleiterin der Revierförsterei Biebertal am 12. Mai 2022 von 19.30 Uhr zum Vortrag über Wald und Forst in die Mehrzweckhalle Vetzberg gekommen – eingeladen von der CDU Biebertal.

Frau Henrich übernahm den Part zur Geschichte des Waldes und zeigte unter anderem Bilder von entwaldeten Dünsberg. Bis aus Krisenzeiten ging der Waldbestand in Deutschland kontinuierlich zurück (Bild unten).

Denn über viele Jahrhunderte wurde der Wald um die Siedlungen intensiv gerodet: für Haus- und Schiffsbau, zur Herstellung von Möbeln, Musikinstrumente, zum Sieden von Salz, für die Glasbläserei oder das Schmelzen von Metallen, als Brennholz oder zur Herstellung von Holzkohle durch Köhler usw., aber auch als Futterplatz für das Vieh genutzt. Tatsächlich wurde der Wald auch gefegt, um Laub und kleine Äste als Streu für den Stall zu haben. So wurden den Wäldern Nährstoffe entzogen und immer mehr Wüstungen entstanden. Urwälder verschwanden bis auf unzugängliche Stellen ganz aus Europa.
Die abgelegen von Siedlungen noch unberührten Wälder wurden Forste genannt und von Adeligen für die Jagt beansprucht. Daher kommt zum einen das Wort Wild (althochdeutsch wildi ‚ungezähmt‘) und die Unterteilung in Hoch- und Niederwild, das von den hohen Herrschaften oder eben von niederen Volk gejagt werden durfte.

Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als Folge der übermäßigen Waldvernichtung und des Holzmangels, wurden Ideen zur Nachhaltigkeit in der sich gerade entwickelnden Forstwirtschaft formuliert: es dürfe nur so viel Wald verbraucht werden, wie auch nachwachsen kann. Im Zuge der Industrialisierung und Verwendung fossiler Energieträger gelang es tatsächlich, dass der Wald sich erholen konnte … allerdings mit ebenfalls fatalen, diesmal sogar globalen Folgen …

Vom Vortragsanteil von Frau Kotschenreuter zum Wald aktuell und in der Zukunft beeindruckte mich persönlich der Erdzeit-Zollstock ganz besonders: denn was vor vielen Millionen Jahren an Wäldern im Erdreich zu Kohle, Erdöl und Erdgas verpresst wurde, verfeuern die Menschen gerade binnen weniger Jahrzehnte und setzten all das von Bäumen gespeicherte CO² frei, so dass sich niemand über eine Erwärmung der Erdatmosphäre wundern muss.

Sie selbst aber betont dazu: „Das ist zwar sehr wichtig, wie dies Kohle- und Erdölentstehung darstellt und unsere Kurzzeit-Verwendung dieser Rohstoffe und Energieträger, allerdings ist das nicht die einzige, wesentliche Aussage. Mir wären eben Feststellungen wichtig, wie sehr wir alle auf Holz angewiesen sind – und welche schlechten Alternativen es gibt, die weder nachhaltig noch nachwachsend, noch regional erzeugbar sind – und die eine sehr schlechte Energiebilanz mit entsprechenden CO2-Emissionen haben. Und dass wir als Förster immer im Auftrag der jeweiligen Gesellschaft arbeiten – und arbeiteten. Heute eben mit Forderungen, die am wahren (stofflichen) Bedarf unserer Gesellschaft und höchstwahrscheinlich an dem künftiger Generationen vorbeigehen.“
Unser Wald ist so viel mehr, als nur Rohstofflieferant – auch und vor allem für nachfolgende Generationen …

Umweltbundesamt

Der Wald ist für uns Menschen überlebenswichtig: Bäume speichern Kohlenstoff und versorgen uns mit Sauerstoff.
Unsere Wälder sind bedeutsame Wasserspeicher und Lebensraum für viele Tiere und Pflanzenarten.
Für uns Menschen ist der Wald ein wichtiger Erholungsort und er liefert den für vieles wichtigen Rohstoff Holz.
Wenn wir das Ökosystem Wald denken, gilt es lokal zu handeln und zugleich global zu denken; denn für unsere Bedürfnisse nutzten wir oft gedankenlos Holz aus anderen Regionen der Welt und zerstören damit ebenfalls unsere eigenen Lebensgrundlagen.

Leider konnten die Folien des Vortrages nicht für unseren Beitrag freigegeben werden, so dass ich hier exemplarisch auf andere Materialien zum Thema Wald heute und morgen zurückgreifen.

Trotz des nur mäßigen Besuches der Veranstaltung, der vor allem von Mitgliedern der CDU, die den Vortrag organisiert hatte, genutzt wurde, ging der Abend erst um 22 Uhr ihrem Ende entgegen. Rita Kotschenreuter: „Der reine Vortrag wäre weit kürzer gewesen, aber ich fand es gut, ins Gespräch einzusteigen.“

Fotos: LIndemann, G. Verhoff

Schlagwörter: ForstFörsterinnenGeschichteWald

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